Streitschlichterausbildung an der HHS



Weil sich die verbliebenen StreitschlichterInnen aus der vorherigen Ausbildung alle in Abschlussklassen befinden, wurden an unserer Schule zum 5. Mal StreitschlichterInnen ausgebildet.

Die 17 SchülerInnen aus dem 6. Und 7. Schuljahr wurden von ihren KlassenlehrerInnen ausgewählt, weil sie über große soziale Kompetenzen verfügen und ein hohes Maß an Kontinuität, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein besitzen.

Eine Woche lang haben sie sich unter der Anleitung der Mediatorin Daniela Falkenberg, begleitet von der Lehrerin Frau Bergner (Steuergruppe Prävention) und der Sozialarbeiterin Hannah Jost, die Grundlagen der Mediation erarbeitet. Aufgeweckt und interessiert wollten sie erfahren, wie man Streit schlichtet ohne als Richter aufzutreten. Das Lernen war durchsetzt von Spielen, Körpererfahrungen und Rollenspielen. Von Anfang an zeigten sie ihre hohe soziale Kompetenz und gutes Einfühlungsvermögen. Die Spiele wurden so ausgewählt, dass sie Konzentration, körperliche Wahrnehmungen und aufeinander Achten fördern. So konnten die SchülerInnen bereits am ersten Tag zeigen, wie deutlich sie inkongruente oder Doppelbotschaften erkennen und wie sehr Kommunikation über nonverbale Botschaften ablaufen. Am zweiten Tag wurden Konflikte untersucht: Warum streiten wir eigentlich? Worum geht es? Es wurde herausgefunden, dass es immer um wichtige Dinge geht - Gerechtigkeit, Zusammengehörigkeit, Achtung und Respekt, Sicherheit - auch wenn der Anlass manchmal geringfügig erscheint. Außerdem wurde festgestellt, dass das Empfinden darüber, was ein Konflikt ist und was nicht, sehr unterschiedlich ist. Die Eine zuckt die Achseln über eine vermeintlich ungerechte schlechte Note - der Andere ist tief getroffen. Es braucht Interesse, um herauszufinden, was genau den Betroffenen kränkt, ärgert oder traurig macht. Nun konnten sich die zukünftigen StreitschlichterInnen den einzelnen Phasen der Mediation zuwenden: Vertrauen schaffen durch eine freundliche und zugewandte Begrüßung, Erklären der Regeln und der Aufgabe der Streitschlichter. Dann wurde unermüdlich Zuhören geübt: Habe ich richtig verstanden, was Du gesagt hast? Hier waren alle sehr aufmerksam und konnten sich ungewöhnlich gut merken, was gesagt wurde! Für viele war die dritte Phase die Spannendste: Was steckt denn dahinter? Mutig wurde in Rollenspielen nach den Gefühlen und Wünschen gefragt und schließlich wurden gemeinsame Lösungen erarbeitet. Viele Konflikte sind gut nachvollziehbar: Ja, das kenne ich! Schwierig wird es, wenn mir eine Partei sympathischer ist oder wenn ich die Gefühle eines anderen nicht verstehe. In der Ausbildungsgruppe waren laute und leise SchülerInnen, mutige, vorwitzige und zurückhaltende. Dadurch konnte direkt an den einzelnen Qualitäten gearbeitet werden und immer wieder wurde festgestellt: Das eine ist nicht besser als das andere, manchmal ist es hilfreich ruhig zu sein, manchmal ist es wichtig, sich durchsetzen zu können. Die SchülerInnen haben zusammengetragen, was Streitschlichter alles nicht sein sollten:

- sich als Richter aufspielen

- parteiisch sein

- ungeduldig sein

- nicht zuhören

- den anderen nicht ernst nehmen.

Es wurde deutlich, wie wichtig auch Humor bei der Streitschlichtung ist. Zum Schluss übten die SchülerInnen in Rollenspielen, eine Vereinbarung zu formulieren und Streitschlichterprotokolle zu schreiben. Insgesamt war es eine sehr harmonische Gruppe. Dies zeigte sich auch bei dem erklärten Lieblingsspiel: als Team mit einem Haken, der an vielen Leinen hängt, fünf Holztürme aufeinander schichten. Hier ist eine feine Abstimmung notwendig und die Freude war groß, als der vierte Klotz sicher stand. Wir wünschen den neu ausgebildeten StreitschlichterInnen viel Erfolg bei ihrer Tätigkeit. Jede/r SchülerIn aus unserer Schule kann sich, wenn sie/er Probleme hat oder sich in Konflikten mit anderen befindet, an die StreitschlichterInnen wenden. Täglich haben StreitschlichterInnen in der zweiten großen Pause Dienst im Streitschlichterraum 214 und freuen sich darauf anderen zu helfen.

Uta Bergner